Musik + Theater

Termine und Kosten der hier vorgestellten Kurse entnehmen Sie bitte dem Programm 2019/20



601 Kleine musikalische Akademie

Die Kunstmusik Skandinaviens – Edvard Grieg, Jean Sibelius und andere

Dr. Gunnar Strunz


E. GriegWenngleich die nordischen Länder nur vergleichsweise wenige Komponisten von Rang hervorgebracht haben, sind doch zwei unter ihnen, die zum Welterbe gehören: der Norweger Edvard Grieg und der Finne Jean Sibelius.
Griegs Musik fußt intensiv auf der norwegischen Folklore. Sein Klavierkonzert, seine Musik zu "Peer Gynt" und einige seiner zahlreichen Klavierstücke gehören zu den meistgespielten Werken der Klassik überhaupt.
Vielen gilt die Musik von Jean Sibelius als nordisch verhangen, düster und melancholisch. Sicher: weniger die finnische Volksmusik als die finnische Mythologie gab Sibelius viele Anregungen, vor allem zu seinen programmatischen Werken. Leider wird bis auf "Finlandia", "Der Schwan von Tuonela" und dem Violinkonzert wenig von ihm bei uns gespielt. Doch gibt es im umfangreichen Schaffen des Meisters eine Fülle von Werken, die eine intensive Beschäftigung mit ihm lohnen und auch zeigen, dass Sibelius sehr viele eingängige Musik geschrieben hat.
Der Kurs beschäftigt sich in 7 Veranstaltungen mit der musikgeschichtlichen Position beider Meister, stellt ihre Stileigentümlichkeiten dar, erläutert ihre Biographien und präsentiert anhand von Klangbeispielen viele Kompositionen. Die achte präsentiert die Kunstmusik Schwedens und deren wichtigste Vertreter.

Abb. Wikipedia


 

602 Die Welt der Oper

Die Opernaufführung – ein Theaterkonstrukt für die absolute Unterhaltung

Lutz Daberkow


Scarpia und Toska

Hinter- und Abgründe von Operngeschichten des 19. und 20. Jahrhunderts werden anhand von unterschiedlichen Inszenierungen dargestellt. Die kritische Auseinandersetzung mit den Auffassungen einzelner Regisseure zu Inhalt und Form der behandelten Werke soll zeigen, mit welcher Problematik sich das moderne Musiktheater auseinandersetzen muss, um für das heutige Publikum akzeptable Aufführungen anbieten zu können.

Eine Opernaufführung hat nur dann einen gültigen Wert, wenn das Konstrukt aus Musik, Libretto, Regie, Bühnenbild, Gesang, Darstellung u. a. der umfassenden Unterhaltung der Zuschauer dient und als Kunsterlebnis in Erinnerung bleibt.

Foto Wikipedia: Scarpia und Tosca,
Opernfestspiele St. Margarethen 2015,
Regie: Robert Dornhelm, mit Martina Serafin in der Titelpartie


 

603 Musiklexikon

Musikerinnen – ein Rückblick auf Clara Schumann zum 200. Geburtstag

Dr. Susanne Oschmann


Clara WiekWie war das eigentlich für eine junge Frau im 18. oder 19. Jahrhundert, die den Wunsch verspürte, Berufsmusikerin zu werden?
Für die, die den Schritt gegen alle gesellschaftlichen Normen und musikalischen Vorurteile wagten, gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Pianistin oder Sängerin. Clara Schumann gelang durch die frühe Förderung ihres Vaters eine brillante öffentliche Karriere als Pianistin.
Ähnlich stand im 18. Jahrhundert Gertrud Elisabeth Schmehling schon als Kind auf der Bühne, wenn auch vom Vater eher getrieben als gefördert. Aber sie war anders als Clara Schumann auch als Kind schon darauf angewiesen, mit ihrer Kunst Geld zu verdienen, was ihr zunächst nur mit Mühe, im späteren Leben allerdings bravourös gelang: Schmehling wurde eine der bekanntesten Primadonnen in Europa!
Fanny Mendelssohn hingegen machte den Schritt als professionelle Musikerin, sei es als Komponistin oder Pianistin, in die Öffentlichkeit nicht, zu stark waren die äußeren, aber auch ihre inneren Hemmnisse.
Ganz anders die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth: Für sie als regierende Fürstin war Berufstätigkeit ohnehin jenseits aller Vorstellungen. Also konnte sie als adlige "Dilettantin" bedenkenlos an die Verwirklichung fast all ihrer musikalischen Ambitionen und Träume gehen - begrenzt allenfalls durch das markgräfliche Budget!

Abb. Wikipedia: Clara Wiek im Alter von 15 Jahren




Die russische Kunstmusik neben und nach Tschaikowsky: Mussorgsky, Borodin, Rimsky-Korsakow, Glasunow

Dr. Gunnar Strunz


Russische KomponistenDen jungen russischen Komponisten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts kam es darauf an, endlich eine eigenständige russische Kunstmusik zu entwickeln, die auf der reichen Volksmusik des Landes beruht. Tschaikowsky wurde von ihnen dabei weitgehend abgelehnt, er galt als "Westler", da er so viele Einflüsse der mitteleuropäischen Meister in seiner Tonsprache hat aufgehen lassen. Sicher mag gerade das ein Grund sein, dass Tschaikowskys Musik fast in ihrem ganzen Umfang weltweit so beliebt und vielgespielt ist, während von den "Jungrussen" Mussorgsky, Borodin, Rimsky-Korssakow und Glasunow (trotz "Bilder einer Ausstellung" und "Scheherazade") nur ein geringer Bruchteil ihres Schaffens bei uns auf den Konzertpodien heimisch wurde.

Daher gibt es im Schaffen dieser Meister hierzulande noch so viel Unentdecktes, das zu bezaubern vermag und der Hörer sich auch hier wundert, warum diese melodienselige und rhythmisch packende Musik bei uns so selten zu hören ist.

Abb. Wikipedia: Mussorgsky, Borodin, Rimsky-Korsakow, Grabstätte Glasunow



611 K Theaterforum

Aktuelle Inszenierungen in Berlin

Stella Konstantinou


DemontageBerlin gilt als bedeutendes Zentrum der europäischen Theaterlandschaft. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele und vielfältige Theater und Theaterformen wie hier, angefangen von der freien Szene bis zum Staatstheater. An jedem Abend kann man in die Welt des Theaters eintauchen und aus einer Vielzahl von Inszenierungen und Performances auswählen.

Der Kurs widmet sich der Kunst des Zuschauens. Im Mittelpunkt stehen der gemeinsame Theaterbesuch einer aktuellen Inszenierung und die Auseinandersetzung mit ihren Formen und Inhalten.

Material bieten uns sowohl theatergeschichtliche Hintergründe wie auch zeitgenössische Kunstdiskurse. Gegenstand der Betrachtung sind die Text- und Handlungsebene des Stückes, wie auch die Mittel dessen ästhetischen und dramaturgischen Umsetzung (Regie- und Schauspielkonzept, Bühnen- und Kostümbild). Durch den Austausch sollen die Rezeptionsgewohnheiten reflektiert und erweitert werden.

Foto © Berliner Zeitung, 2017: Demontage "OST" vom Dach der Volksbühne Berlin





620 K Kino der Moderne - Film in der Weimarer Republik

Jörg Becker


KZ 611K TheaterforumNach einem Einstieg mit einer Führung durch die gleichnamige Ausstellung im Filmhaus am Potsdamer Platz geben die folgenden Veranstaltungen eine Vertiefung anhand von Filmausschnitten und zeitgenössischen Textquellen mit Zeit zur Diskussion.

Wie keine andere Kunstform nimmt der Film nach dem Ende des ersten Weltkriegs den Zeitgeist der Moderne in seine Stoffe auf und fördert ihn. Mode und Sport, Mobilität und urbanes Leben, Geschlechterfragen und das Entstehen der Psychoanalyse spiegeln sich im Kino der Moderne. Die Umbrüche in der Arbeitswelt, damit zusammenhängende prekäre soziale Verhältnisse werden direkt vom Kino gespiegelt.

Beispiele neusachlicher Architektur kommen in Spielfilmen zur Geltung, und das Verhältnis zwischen Fan und Star spielt eine immer größere Rolle. Die Figur der "Neuen Frau" wird Leitbild der jungen Generation, Sport wird ein Massenphänomen als Freizeitbeschäftigung. Die Wissenschaften gelangen in den Film und psychische Vorgänge werden in Filmprojekten zur Anschauung gebracht. Schließlich ist der Film nicht allein Spiegel seiner Zeit, sondern auch ein politisches Instrument, das um die Deutungshoheit der Geschichte kämpft.

Foto: Asta Nielsen, Dirnentragödie (Bruno Rahn, 1927)Quelle: Deutsche Kinemathek – Fotoarchiv


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